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True Blanking
Innerhalb des schwarzen Ausstellungsraums dominiert eine großflächige
schwarz-weiß Projektion. Diese präsentiert sich als ein verschwommenes,
hektisches Bild aus Punkten, Streifen und Schatten. Dabei lösen sich die
Konturen in Pixel auf, ähnlich einem codierten Film. Musikalisch
unterlegt sind Klangimprovisationen, die das Bild zusätzlich vibrieren
lassen. Was zunächst ungegenständlich wirkt, lässt sich bei näherem
Hinsehen einem konkreten Vorbild zuordnen. So erscheinen ab und zu
erkennbare Bildsequenzen, wie etwa Ausschnitte einer in Stein
gemeißelten hebräischen Inschrift oder Ansichten einer Häuserfassade.
Ausgangsmaterial der Videoarbeit Kjell Bjorgeengens sind Aufnahmen aus
der Bronx, von einem jüdischen Friedhof in Warschau und die Ansicht
eines Badezimmers in London. Jedoch fließt das aufgenommene Bildmaterial
nicht direkt in die Arbeit ein, sondern wird elektronisch manipuliert.
Bjørgeengen unterzieht das gesamte Videomaterial einem Prozess, der die
Speicherpausen und Rücksprünge der Videobilder, die sogenannten
"Blankings", herausfiltert. Ein technischer Vorgang, der am Experimental
Television Center in New York entwickelt wurde. Zusätzlich lässt
Bjørgeengen Klangkomposition von Marc Ribot als elektronische Impulse
auf das Video einwirken. Der Moment zwischen dem Abtastens einer
Bildzeile und dem Speichern, den Bjørgeengen visualisiert, erinnert an
kognitive Vorgänge. "Blanking" kann somit auch als Metapher für die
Schnittstelle zwischen Wahrnehmung und Erinnerung gedeutet werden. Denn
im Vordergrund steht nicht die reale Wiedergabe, sondern die
Flüchtigkeit des Eindrucks, der zunehmend in Vergessenheit gerät.
Bjorgeengens Arbeit dokumentiert die veränderte Wahrnehmung von
Wirklichkeit, den gefilterten und manipulierten Blick der heutigen
Medienwelt. Jedoch lassen seine virtuellen Leerstellen dem Betrachter
genug Raum für eigenen Gedanken.
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