Slow Motion
Positionen zeitgenössischer Videokunst
Die Schenkel einer Frau öffnen und schließen sich vor einer
Küstenlandschaft. Sehr langsam, immer wieder und scheinbar endlos. An
anderer Stelle verwandeln sich die Logos bekannter Einkaufsketten in
kaleidoskopartige Mandalas. Die grellen Farben der alltäglichen
Konsumkultur setzen sich zu immer fortlaufenden Mustern zusammen. Oder
aber der Blick des Betrachters wandert durch den schwach ausgeleuchteten
Innenraum eines Theaters kurz vor Beginn der Aufführung. Lediglich das
Funkeln der Operngläser im Zuschauerraum ist zu sehen, begleitet von
gedämpftem Stimmengewirr.
Insgesamt 10 Positionen der
zeitgenössischen Videokunst vereint die Ausstellung Slow Motion, die im
Ludwig Forum zu sehen ist. Allen Arbeiten ist gemeinsam, dass entweder
Handlung oder Bewegung minimal eingesetzt sind. Einige Videos sind
reduziert auf einzelne, behutsam ausgesuchte Szenen, die als Loop
scheinbar endlos wiederkehren. Oder aber die Kameraeinstellung verweilt
fast reglos am selben Ort. Gerade in dieser scheinbaren Monotonie liegt
die Faszination der Arbeiten. Denn der Betrachter, dem zunächst der
direkte und inhaltlich schnelle Zugang verwehrt bleibt, wird durch die
meditative Gleichförmigkeit gleichsam in den Bann gezogen. Der
Standpunkt zwischen realer und medialer Welt verschwimmt und rückt den
Betrachter, der sich in Tagträume und Erinnerungen verliert, in eine
andere zeitliche und räumliche Dimension. Gegensätzlich zur Hektik des
Alltags entwickelt sich aus der verweilenden Betrachtung eine subtile
Spannung.
Alexandra Kolossa - Kuratorin der Ausstellung
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