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                Internet vs Kunst vs Kultur

1996, durch die Kulturarbeit in einem leerstehenden Ladenlokal, der <raststaette> , in der wir seit einem knappen Jahr Veranstaltungen organisierten, kamen der Informatiker <christian_scholz> und der Provider <thomas_neugebauer> mit dem Vorschlag auf uns zu, ein kostenfreies Internetcafé zu eröffnen. Für dieses sich rasch entwickelnde Medium, eigentlich einem Gemengsel verschiedener Dienste und Techniken, sollte der Kulturraum <raststaette> um eine Art kulturorientierter Informationsschnittstelle für neue Medien erweitert werden.

Durch das Projekt <netzkulturen> , das von <gregor_jansen> damals initiiert wurde und sich durch die Mitwirkung einer großen Anzahl von Ideengebern zu einem erfolgreichen ersten Diskussionspodium entwickelte, war <raststaette> unmittelbar in Sphären dieser virtuellen Welten eingetaucht. Bald nach Eröffnung des Internetcafés <planet _wipeout> im April entstand der Wunsch, auch mit Inhalten im Netz vertreten zu sein. Zusammen mit <christian_scholz> wurde zu dieser Zeit der Kulturserver <heimat.de> gegründet. Ausgehend von der Idee, für Aachen ein virtuelles, kulturorientiertes Stadtviertel zu schaffen, entstand durch den Umzug von <jan_edler> nach Berlin und im Zusammenhang mit der Ausstellungsbeteiligung an der <saldo> in Düsseldorf das Netzwerk der heimat-Server in verschiedenen Städten und Regionen.

Aus dem Interesse, Internetseiten aus Datenbanken zu generieren, sowie der Notwendigkeit, aktuelle Veranstaltungsdaten anzubieten, begannen Ende 96 die Vorarbeiten zum Kulturdatennetzwerk <culturebase> . Ausgehend von Event- und Adreßdatensätzen, die sich im weitesten Sinne um Kunst, Kultur und kommunale Belange bewegen, ist hier das Projekt mit der weitesten gesellschaftlichen Bedeutung entstanden. Neben der flächendeckenden Versorgung immer größerer Regionen mit Datensätzen entstanden neue gesellschaftliche Netzwerke.

Genau wie <raststaette> , in der nach wie vor auch klassische Veranstaltungsaktivitäten laufen, war <heimat.de> und <culturebase> von Beginn an nicht kunst-, sondern kulturorientiert. Im Gegensatz zu Kunstvereinen, Galerien o. ä. findet hier nicht alleine die Diskussion um Kunst im engen Sinne Raum, sondern wird der gesamten Bandbreite der Kultur ein Experimentierfeld geboten.
Ein weiterer wichtiger Aspekt dieser Räume, so unterschiedlich sie auch in der Ausprägung sein mögen, bedeutet die Tatsache, daß wir uns um Schnittstellenbildung bemühen. Dies meint eine möglichst große Offenheit gegenüber bestehenden Projekten und Institutionen, was sich an einer Vielzahl von Kooperationen der letzten fünf Jahren ablesen läßt.

Unsere Projekte im Netz durchzog immer wieder der Gedanke, die Prozesse rund um die Inhalte und Strukturen des Netzes faßbarer und transparenter zu machen, die Dienste und Möglichkeiten für Kulturschaffende und Bürger zu öffnen. Bewegung und damit Kultur in dieses Netz zu bringen, wird in den Köpfen aufgrund seiner Möglichkeiten oft schneller weitergedacht wird, ohne daß es bisher zu wirklich lohnenswerten, greifbaren Ergebnissen führt.

Wenn ich unsere Entwicklung, die gerade knappe vier Jahre umfaßt, wie Geschichte behandele, so ist auch dies Spiegel für die Schnellebigkeit des Internets. Sicher scheint, daß das schnelle Wachstum unseres Projektes, das nach wie vor die gesamte Spannweite von kleinen Veranstaltungen im Bereich "Kultur von unten" bis hin zu staatlichen Kooperationen beinhaltet, nur durch diesen Motor Internet und die Menschen, die an seiner Weiterentwicklung geträumt haben, möglich geworden ist.