Geschichte

Gemeinde Sankt Peter in Aachen - Baugeschichte und Ausstattung

Die Kirche St.Peter liegt auf einer leichten Anhöhe auf einem Areal einer römischen Begräbnisstätte. Wann eine christliche Kirche an dieser Stelle errichtet wurde, ist ungewiss, die erste schriftliche Erwähnung einer dem hl. Perus geweihten Kapelle findet sich in einem 1215 verfassten Testament. Das Bauwerk selbst ist jedoch bedeutend älter: Vermutlich bereits um 1167, als Kaiser Friedrich I. Barbarossa die Stadt Aachen zum Bau eines befestigten Mauerrings verpflichtet, wurde der Westturm errichtet. Als Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung ist er heute eines der ältesten Bauwerke Aachens. Der Grundriss des staufischen Urbaus wurde 1974 beim Umbau der Peterskirche ausgegraben.

Bis zum Brand von 1943 beherbergte der Turm die 1250 von der Bürgerschaft Aachens in Auftrag gegebene Glocke, die der Stadt als Alarmglocke diente und eine der ältesten Bürgerglocken Deutschlands war. In ihrer Inschrift hieß es u.a.: "Dieben, Räubern, Mördern bin ich ein Schrecken, diene zum gemeinen Wohl, in dem ich einen Schall gebe".

Von der staufischen Kirche hat sich bis auf das Untergeschoss des Turms nichts erhalten, ob es schon früher Vorgänger gab, ist nicht bekannt.
Wie die Pfarrkirche St.Adalbert und St.Jakob war auch St.Peter bis ins Hochmittelalter vom Münster als Mutterkirche abhängig. 1260 wurden die Pfarrrechte durch eine Breve vom Papst Alexander IV erweitert (u.a. die Genehmigung zur Nottaufe und Osterkommunion). 1331 wird mit Rektor Johannes erstmals ein Priester an St.Peter erwähnt.

Baunachrichten aus den folgenden Jahrhunderten sind spärlich. Vermutlich um 1450 wurde der rechteckige Chor der staufischen Kirche durch einen polygonalen Chorabschluss in gotischer Bauweise ersetzt. 1621 veranlassen die Aachener Jesuiten eine "Erneuerung" de Pfarrkirche, "nachdem diese nun fast Baufällig worden". In den folgenden häufen sich Nachrichten über Neuanschaffungen und Ausbesserungen an dem zusehends verfallenden Bauwerks, das u.a. 1667 ein neues, hölzernes Gewölbe erhält.
1692 wurde Johann Heinrich Scholl († 1724) Pfarrer an St.Peter. Zielstrebig verfolgte er sein Ziel eines Kirchenumbaues, ehe 1714 die mittelalterliche Kirche abgebrochen wurde; nur der imposante Westturm blieb unangetastet. Nach Plänen von Stadtbaumeister Laurenz Mefferdatis (u.a. Theresienkirche, Pontstrasse, 1739-1748) entstand bis 1717 der barocke Neubau, dessen Aussenmauern heute noch erhalten sind: ein schlichter, dreischiffiger Backsteinbau mit Fensterrahmungen in Kalkstein. In der Amtszeit des Pfarrers Rochus von Finkenberg (1731-1753) erhielt die Kirche ihre prächtige Barockausstattung mit Kommunionbank, Kanzel, Emporenbrüstung und Beichtstuhl. Eine Vorstellung von der Pracht des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Innenraums gibt die nebenstehende sw-Aufnahme.

Mit dem Übergreifen der Französischen Revolution auf das Rheinland 1794 erlebte das kirchliche Leben in Aachen eine Neuordnung, bedingt durch die Säkularisation das Kirchenvermögens und die Aufhebung zahlreicher Klöster und Kirchen. 1801 wird Aachen erstmalig Bistum. 1804 wird St.Peter zu Hauptpfarre. Doch erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es wieder zu bedeutenden Umbaumaßnahmen und Neuanschaffungen. Weil die Kirche für die stetig wachsende Gemeinde zu klein wurde, entstehen sukzessive Anbauten: ein neobarocker Portalvorbau (1862), die südliche Kapelle (1865, heutiges "Schatzkästchen") und die Gutenratskapelle (1879/80).
In der Nacht vom 13./14 Juli 1943 wurde der Turmhelm von Brandbomben getroffen; weil kein Löschgerät und Wasser zur Verfügung standen, brannte schließlich die gesamte Kirche aus. Ein weiterer Luftangriff im April 1944 vollendete die Zerstörung. Zwischen 1948 und 1951 vollzog sich unter Leitung von Werner Schottstädt und Karl Schlüter der Wiederaufbau unter Beibehaltung der erhaltenen Aussenmauern. Doch erst 1974/75 erhielt der karge Innenraum unter Leitung von Dombaumeister Leo Hugot († 1982) seine heutige Gestalt. Die alte Sakristei wurde abgerissen und in den nun vom Kirchenraum abgetrennten Chorbereich verlegt. Die Ostung wurde aufgegeben, der Chor an die Südseite verlegt und der Altar im Zuge der Liturgiereform des II. Vatikanischen Konzils in der Mitte der Kirche und der Gemeinde gerückt. Auf Initiative des 1977 zum Pfarrer ernannten Dr. Anton Jansen dient der große, helle Kirchenraum seit Beginn der 1980er Jahre verstärkt auch als Präsentationsforum für zeitgenössische Kunst.

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