Meine Arbeiten sehe ich als Experimente - oder Erklärungs- (begrifflich faßbar)
bzw. Verklärungsversuche (absurd), die sich aus meiner zentralen Fragestellung heraus
ergeben. Grundlegend würde ich meine Arbeiten als einen loopartigen work in progress
(multidimensional auf sich selbst zurückwirkend) betrachten, in dem früher
verwendete Motive später, leicht abgewandelt, in neuen Kontexten wieder auftauchen
können.
So ist es jetzt das 10 Jahren konstruierte "Offene Labor" als begehbarer Arbeitsplatz
wieder aktuell (ich würde es gerne als Lager der inzwischen entstandenen Arbeiten und
Projekte, als Bühne fürs Gedächtnistraining sehen); ein Knie-Tableau
beispielsweise, das vor 5 Jahren eine OP erklärte, veranschaulicht heute zudem elegant
meine Arbeitsfelder als Diagramm; und eine Comicserie, die ich vor zwei Jahren unter einem
Pseudonym konzipierte, kann ich heute sinnvoll im Gedächtnistraining einsetzen.
Dieser Prozeß kann als komplizierter Prozeß der Selbstorganisation aufgefaßt
werden, in dem ich Variablen (Interessensgebiete, Materialwahl) niedrig halte, um mich nicht
zu verzetteln. Aber gerade an der Grenze zum Verzetteln wirds spannend; da verstehe ich mein
Gedankensystem als so instabil und empfindlich, daß es zu diesen überraschenden
symmetriebrechenden Transformationen kommen kann. Übrigens funktioniert die Pointe im
Witz genauso.
Den Loop - oder das zirkuläre multidimensionale Bildgedächtnis - thematisiere ich
derzeit in einem Selbstexperiment, angeregt durch die Psychologin Marigold Linton, die ab
1972 jeden Tag kurze schriftlich Notizen von mindestens zwei Ereignissen eines Tages,
jeweils ein Ereignis auf eine Karte, niederlegte. Nach geraumer Zeit begann sie, sich
monatlich selbst zu testen, zog wahllos eine Karte aus ihrem Fundus und versuchte sie
zeitlich einzuordnen. Mein Hauptaugenmerk gilt nicht der schriftlichen, sondern der
zeichnerischen Notiz. Ich zeichne jeden Tag eine oder mehrere kleine Mnemoskizzen, die
Ereignisse genauso beinhalten können wie Ideenfragmente, und gehe den Fundus ein Mal
pro Monat durch. Mittlerweile habe ich über den Zeitraum Mitte April 1999 bis August
2000 um die 1860 Mnemoskizzen, z.T. auch Textnotizen, aufgezeichnet. An diesem
Selbstexperiment interessiert mich, wie sich die Bilderinnerungen selbst organisieren,
welche Dynamik die Assoziationsmuster annehmen, wenn längst verschwunden Geglaubtes
wieder auflebt. Die bei diesem Selbstexperiment gewonnenen Erkenntnisse über das
autobiographische Gedächtnis sind mir im Rahmen des Gedächtnistrainings mit
Alzheimerpatienten im Frühstadium sehr dienlich.