Das zirkuläre und nicht Lineare nimmt in meiner Arbeit einen wichtigen Raum ein. Ich habe das gerade in zwei Tableaus thematisiert (beide auch als Abbildungen im ars viva-Katalog). Eines befaßt sich mit den Epizyklen künstlerischer Entdeckungen. Hier behaupte ich, daß das "Offene Labor", mein geistiger Arbeitsraum, den es als Pappobjekt gibt (auch im Katalog abgebildet), von unterschiedlich, epizyklisch ablaufenden mentaltektonischen Navigationsmomenten bespielt wird, welche dann zu eben diesem - gerade erwähnten - Objekt gerinnen. Das zweite Tableau interpretiert ein zirkulär angelegtes autoassoziatives Netzwerk, ein Verschaltungsprinzip für das Bildgedächtnis, wie es für den Kortex diskutiert wird. Autoassoziative Netzwerke, wie sie von Informatikern theoretisch untersucht werden, haben Eigenschaften, die mit Bildgedächtnissen vergleichbar sind. Man muß sich eine Matrix von parallel geschalteten Neuronen vorstellen, deren synaptische Verknüpfungen in "Loops" auf sich selbst zurückwirken - mit dem Ziel, daß viele Inhalte gleichzeitig und überlappend gespeichert werden künnen. Ähnlich versucht auch mein Katalogbeitrag mit meinen Arbeiten umzugehen, den ich in Zusammenarbeit mit Walter Pamminger, einem Wiener Graphiker, Design-Kurator und Comic-Spezialist, entwickelt habe.
Im Kontext der Entwürfe zu autoassoziativen Netzwerken ist auch das Phänomen der synästhetischen Wahrnehmung, die bei Menschen mit "hyperfekten Gedächtnissen" geradezu zwanghaft auftritt, sehr interessant. Sherashevski, ein Gedächtniskünstler, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts lebte und über 30 Jahre von dem russischen Neuropsychologen Alexander Luria beobachtet wurde, konnte nichts vergessen. Alles was er sah und hörte, verwandelte sich in seinem Geist rasant in lebhafte Imaginationen, die gleichzeitig das visuelle, olfaktorische und haptische Sinnessystem in Anspruch nahmen. Wenn er beispielsweise eine Glocke hörte, so beschreibt es Luria, dann sah er immer gleichzeitig auch einen runden Gegenstand vor seinen Augen rollen, seine Finger fühlten etwas Rauhes, wie ein Seil, und er empfand den Geschmack von Salzwasser (Alexander R. Luria, The Mind of a Mnemonist, New York 1968)