Von einigen sogenannten Beuys-Schülern ist bekannt, daß sie Gedanken, die sie im Kunstumfeld entwickelt haben, in anderen Bereichen fortsetzen. Ich fand das immer interessant, weil es der Kunst eine Legitimation gibt, die jenseits eines (anti-)bourgeoisen "surplus" liegt. Den Rollenwechsel tatsächlich zu betreiben, finde ich spannender, als ihn nur zu simulieren. Heraus kommt dann vielleicht eine Arbeit, die etwas mit der Wirklichkeit zu tun hat, und nicht nur eine Metapher. Tatsächlich verdoppelt man sich natuürlich beim Rollenwechsel zu zwei parallelen Rollen: der symbolischen und der realen. Ich glaube nicht, daß es die interessanteste Aufgabe der Kunst ist, Entertainment zu liefern; davon gibt es schon zu viel. Der Kunstkontext bietet vielmehr ein gesellschaftliches Terrain, in dem ganz bestimmte Dinge verhandelt werden können, vielleicht z. B. deshalb, weil in der Kunst der Rahmen immer hinterfragt werden kann und muß.
Zur Frage, ob es eine andere Ökonomie als Alternative zum Kunstkontext gibt - meinst Du als Alternative zum Kunstmarkt? Klar, gibt es viele. Ökonomien erfinden ist ein bißchen wie Sinn erfinden; einen Ort erfinden zum Beispiel, an dem bestimmte Sachen stattfinden können. Ob Werke noch geschützt werden muüssen - ich bin gegen das Copyright als Verbot, Ideen, Bilder oder Musik anderer aufzugreifen, weil das immer mehr den Verwertern nutzt als den Urhebern und den Produzenten.