Für mich war der Ausgangspunkt bereits interdisziplinär. Ich habe mich nie nur als Künstler, sondern immer - je nach Projekt - zugleich auch als Wissenschaftler, Journalist usw. gesehen.
Deshalb finde ich die Idee eines Dialogs zwischen Wissenschaft und Kunst oft seltsam, weil sie ein tradiertes Modell noch weiter polarisiert. 1988 kam es an der FU Berlin, wo ich gerade begonnen hatte, Physik zu studieren - während ich parallel zu HdK ging -, zu einem großen Studentenstreik gegen die verkrusteten unversitären Strukturen, der den Lehrapparat für ein ganzes Semester lahmlegte. Das naturwissenschaftliche Studium läßt überhaupt keinen Raum für grundlegende Betrachtungen. Oft wird nicht einmal zwischen dem wissenschaftlichen Modell und der zu beschreibenden Wirklichkeit unterschieden. Mit Kommilitonen organisierten wir daher autonome Seminare zu Physik, Philosophie und Politik. Später in der "Botschaft e.V." haben wir unsere Arbeit stets als interdisziplinär bezeichnet, was für uns eine Erweiterung des Begriffs der Autonomie bedeutete.